Eine Lymphmassage heißt in der Fachsprache manuelle Lymphdrainage. Mit sanften, kreisenden und pumpenden Handgriffen fördert eine Physiotherapeutin oder ein Physiotherapeut den Abfluss von Gewebeflüssigkeit. Ärztinnen und Ärzte verordnen die Lymphmassage vor allem bei Lymphödemen, also bei Schwellungen, die durch gestaute Lymphe entstehen. Auf dieser Seite erfahren Sie, wie das Lymphsystem arbeitet, wann eine Lymphdrainage infrage kommt, was Kompressionsgeräte für zu Hause leisten und wann Sie auf jede Form der Behandlung verzichten müssen.
Was ist Lymphe?
Die Lymphe ist eine Flüssigkeit, die in eigenen Gefäßen durch den ganzen Körper fließt. Sie enthält unter anderem Eiweiße, Salze und weiße Blutkörperchen (Lymphozyten), die für die Immunabwehr wichtig sind. Das Lymphsystem nimmt Flüssigkeit auf, die sich zwischen den Zellen sammelt, und leitet sie über die Lymphknoten zurück in große Venen nahe dem Herzen.
Anders als das Blut hat die Lymphe keine eigene Pumpe. Die größeren Lymphgefäße ziehen sich zwar rhythmisch zusammen, in vielen kleinen Gefäßen fließt die Lymphe aber nur langsam. Wichtig ist deshalb die Muskelpumpe, also der Druck der Muskulatur beim Gehen und Bewegen. Wer lange sitzt oder steht, kennt die Folge in Form schwerer oder leicht geschwollener Beine am Abend.
Wie ein Lymphödem entsteht
Ein Lymphödem ist eine Schwellung, die entsteht, wenn sich Lymphflüssigkeit im Gewebe staut. Ärztinnen und Ärzte unterscheiden zwei Formen:
- Das primäre Lymphödem ist genetisch bedingt.
- Das sekundäre Lymphödem entsteht durch Erkrankungen, Verletzungen oder Therapien. Häufigste Ursachen sind Krebserkrankungen und Krebsbehandlungen wie die Entfernung von Lymphknoten oder eine Bestrahlung.
Typische Beschwerden sind Schwellungen, Schmerzen, ein Spannungs- und Schweregefühl, Hautveränderungen und eine eingeschränkte Beweglichkeit. Oft sind Arme oder Beine betroffen. Ein Lymphödem verläuft chronisch. Mit einer ausreichenden Behandlung lässt sich sein Fortschreiten aber verhindern, so das Gesundheitsportal des Bundesgesundheitsministeriums zum Lymphödem.
Geschwollene Beine haben nicht immer mit der Lymphe zu tun. Auch Venenleiden oder eine Herzschwäche können Wassereinlagerungen in Füßen, Knöcheln und Beinen verursachen. Neue Schwellungen gehören deshalb in ärztliche Hände.
Lymphmassage als Therapie: die manuelle Lymphdrainage
Die Heilmittel-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses beschreibt die manuelle Lymphdrainage als spezielle Massagetechnik, die mit bestimmten Handgriffen den Lymphabfluss fördert und krankhaft vermehrte Flüssigkeit im Gewebe verringert. Therapeutinnen und Therapeuten brauchen dafür eine eigene Weiterbildung. Eine Lymphmassage auf Rezept kommt laut Heilmittelkatalog vor allem bei Lymphabflussstörungen infrage, etwa bei:
- primären, also angeborenen Lymphödemen
- sekundären Lymphödemen nach Operationen, Bestrahlung, Tumorerkrankungen oder Verletzungen
- einem Phlebo-Lymphödem, bei dem Venen- und Lymphabfluss gestört sind
- einem Lipödem, einer krankhaften Fettverteilungsstörung, auch ohne Lymphödem
Je nach Stadium und Zahl der behandelten Körperteile dauert eine Sitzung 30, 45 oder 60 Minuten.
Warum Kompression zur Lymphmassage gehört
Eine Lymphmassage allein reicht bei einem Lymphödem nicht aus. Damit die Flüssigkeit nicht in das entstaute Gewebe zurückfließt, ist nach der Richtlinie die Kompressionstherapie entscheidend, zum Beispiel mit einem lymphologischen Kompressionsverband oder einem maßgefertigten Kompressionsstrumpf. Fachleute fassen die Behandlung als Komplexe Physikalische Entstauungstherapie (KPE) zusammen. Dazu gehören neben Lymphdrainage und Kompression auch Bewegung, eine Schulung zur Selbstbehandlung und eine sorgfältige Hautpflege.
Lymphmassage mit Gerät: was Kompressionsgeräte leisten
Für zu Hause gibt es Geräte, die mit Druckluft arbeiten. Fachleute sprechen von intermittierender pneumatischer Kompression. Ähnlich wie bei einem Venen-Massagegerät füllt ein Kompressor Luftkammern in Manschetten nacheinander und erzeugt so eine Druckwelle, meist vom Fuß in Richtung Oberschenkel. Manschetten gibt es für Beine, Arme und Hüfte. Bei vielen Modellen lassen sich Druck, Dauer und Programm einstellen.
Ein solches Gerät ersetzt keine manuelle Lymphdrainage. Die Heilmittel-Richtlinie stellt klar, dass der Einsatz von Apparaten zur Kompressionstherapie nicht Teil dieser Leistung ist, und ordnet die Massage mittels Gerät der persönlichen Lebensführung zu. Ob ein Kompressionsgerät bei Ihrer Erkrankung sinnvoll ist und welche Einstellungen passen, klären Sie vorher mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Für schwere Beine ohne Krankheitswert genügt oft schon Bewegung, eine sanfte Beinmassage oder ein einfaches Beinmassagegerät.
Gegenanzeigen: Wann keine Lymphmassage?
Bei bestimmten Erkrankungen darf die Entstauungstherapie nicht oder nur teilweise angewendet werden. Das gilt für die Lymphmassage in der Praxis ebenso wie für Kompressionsgeräte zu Hause. Zu den Gegenanzeigen gehören unter anderem:
- eine Herzschwäche (Herzinsuffizienz)
- eine akute tiefe Beinvenenthrombose
- eine akute schwere Wundrose, eine bakterielle Entzündung der Haut
Eine tiefe Venenthrombose betrifft meist nur ein Bein. Typische Anzeichen sind großflächige Schmerzen im Bein oder in der Hüfte, Druckempfindlichkeit, Schwellung, Spannungsgefühl sowie warme, gerötete Haut, wie das IQWiG auf gesundheitsinformation.de zur tiefen Venenthrombose erklärt. Bei solchen Beschwerden lassen Sie das Bein sofort ärztlich untersuchen und massieren es auf keinen Fall.
Lymphmassage und Entgiftung: was dran ist
Häufig liest man, eine Lymphmassage entgifte den Körper, stärke die Selbstheilungskräfte oder helfe bei Migräne, Tinnitus, Gicht oder Arthrose. Belegt ist davon nichts. Der Heilmittelkatalog sieht die Lymphdrainage für Lymphabflussstörungen vor, nicht für diese Beschwerden. Den Abbau und die Ausscheidung von Stoffwechselprodukten übernehmen Leber und Nieren, dafür braucht es keine Massage. Bei einer Herzschwäche ist die Entstauungstherapie sogar eine Gegenanzeige.
Wer gesund ist und eine Lymphmassage als wohltuend empfindet, kann sie als Entspannung nutzen. Bei einer Erkrankung entscheidet die Ärztin oder der Arzt, ob und in welcher Form eine Lymphdrainage sinnvoll ist.
