Mit Reflexzonen am Rücken sind Hautbereiche gemeint, die mit einem inneren Organ über denselben Nervenabschnitt verbunden sind. Erkrankt das Organ, kann der Schmerz in diesem Hautbereich ankommen, obwohl das Organ selbst ganz woanders liegt. Die Medizin nutzt das Wissen um diese Zonen vor allem, um Beschwerden richtig einzuordnen. In der Physiotherapie bauen die Segmentmassage und die Bindegewebsmassage darauf auf. Wie die Zonen entstehen, was eine Massage dort leisten kann und wo ihre Grenzen liegen, erfahren Sie auf dieser Seite.
Wie entstehen Reflexzonen am Rücken?
Muskeln, Haut und innere Organe werden über Nerven versorgt, die aus dem Rückenmark kommen. Die sogenannten Spinalnerven verlassen die Wirbelsäule jeweils durch eine Öffnung zwischen zwei Wirbeln, das Zwischenwirbelloch. Der Mensch hat 31 Spinalnervenpaare. Jedes Paar gehört zu einem Abschnitt des Rückenmarks, einem Segment. Nach ihrer Lage an der Wirbelsäule teilt man die Segmente so ein:
- 8 Halssegmente (C), zugeordnet der Halswirbelsäule
- 12 Brustsegmente (Th), zugeordnet der Brustwirbelsäule
- 5 Lendensegmente (L), zugeordnet der Lendenwirbelsäule
- 5 Kreuzbeinsegmente (S), zugeordnet dem Kreuzbein
- 1 Steißbeinsegment (Co), zugeordnet dem Steißbein
Jedes Segment versorgt einen streifenförmigen Hautbereich, dazu Muskeln und über Fasern des vegetativen Nervensystems auch Teile innerer Organe. Die Signale aus Organ und Haut laufen im Rückenmark im selben Segment zusammen. Das Gehirn kann deshalb nicht immer unterscheiden, woher ein Schmerzsignal stammt, und verlegt es in die Haut oder die Muskulatur. Fachleute sprechen von übertragenem oder ausstrahlendem Schmerz.
Headsche Zonen: Reflexzonen am Rücken als Warnzeichen
Der britische Neurologe Henry Head beschrieb Ende des 19. Jahrhunderts Hautareale, die bei Erkrankungen innerer Organe überempfindlich werden oder schmerzen. Nach ihm heißen sie Headsche Zonen. Sie liegen am Rücken, aber auch an Brust, Bauch und Armen. Einige dieser Zusammenhänge sind gut bekannt:
- Bei einem Herzinfarkt können die Schmerzen von der Brust in einen Arm, den Rücken, den Hals oder den Oberbauch ausstrahlen, ebenso in die Schulterblätter, den Nacken und den Kiefer.
- Bei einer Gallenkolik kommen krampfartige Oberbauchschmerzen in Wellen und können in den Rücken und die rechte Schulter ziehen.
- Bei Nierensteinen spüren Betroffene die Schmerzen je nach Lage des Steins im Unterleib, im Bauch, im Rücken oder plötzlich und sehr stark in der Seite.
Schmerzen in einer dieser Zonen sind deshalb ein Hinweis, die Ursache ärztlich abklären zu lassen. Eine Massage an dieser Stelle beseitigt die Ursache nicht und kann eine ernste Erkrankung verdecken.
Segmentmassage und Bindegewebsmassage an den Reflexzonen am Rücken
In der Physiotherapie gibt es Massageformen, die gezielt an den Segmenten ansetzen. Die Heilmittel-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses nennt in ihrem Abschnitt zur Massagetherapie die Bindegewebsmassage, die Segmentmassage, die Periostmassage (Massage an der Knochenhaut) und die Colonmassage (Massage am Dickdarm über die Bauchdecke). Nach der Richtlinie sollen diese Techniken über nervös reflektorische Wege innere Organe und periphere Durchblutungsstörungen beeinflussen. Ärztinnen und Ärzte können sie als Heilmittel verordnen, wenn die Diagnose im Heilmittelkatalog vorgesehen ist. Durchgeführt werden sie von Physiotherapeutinnen, Physiotherapeuten sowie Masseurinnen und Masseuren.
Bindegewebsmassage
Die Bindegewebsmassage geht auf die Krankengymnastin Elisabeth Dicke zurück, die sie Ende der 1920er Jahre entwickelte. Mit den Fingerkuppen zieht die Therapeutin oder der Therapeut die Haut gegen die tieferen Schichten. Typisch ist ein schneidendes Gefühl auf der Haut. Die Behandlung beginnt meist am unteren Rücken und am Kreuzbein und arbeitet sich nach oben vor.
Segmentmassage
Die Segmentmassage verbindet Griffe der klassischen Massage mit gezielten Techniken in den Segmenten, in denen die Haut oder die Muskulatur verändert ist. Die Therapeutin oder der Therapeut tastet vorher die Rückenpartie ab und sucht nach verhärteten, empfindlichen oder schlechter verschieblichen Stellen.
Was eine Massage dort leisten kann
Dass der Gemeinsame Bundesausschuss die Segment- und die Bindegewebsmassage als verordnungsfähige Heilmittel führt, bedeutet nicht, dass eine Massage ein erkranktes Organ heilt. Ein Nachweis, dass sich Herz-, Gallen- oder Nierenerkrankungen durch Massage am Rücken behandeln lassen, fehlt. Was eine Massage leisten kann, betrifft vor allem Haut, Bindegewebe und Muskulatur. Viele Menschen empfinden sie als entspannend, und die klassische Massage soll laut Richtlinie unter anderem den Muskeltonus normalisieren und die Durchblutung steigern.
Deutlich schwächer ist die Grundlage bei anderen Reflexzonenverfahren. Die Fußreflexzonenmassage steht in der Heilmittel-Richtlinie auf der Liste der Maßnahmen, deren therapeutischer Nutzen nicht nachgewiesen ist. Gesetzliche Krankenkassen übernehmen sie deshalb nicht. Auch für die Zonenkarten der Reflexzonenmassage an Händen und Ohren gibt es keinen wissenschaftlichen Nachweis.
Reflexzonen am Rücken zu Hause massieren
Zu Hause lassen sich die Reflexzonen am Rücken nicht so gezielt behandeln wie in der Praxis, denn die Techniken setzen eine Ausbildung und einen vorherigen Tastbefund voraus. Eine sanfte Rückenmassage durch eine vertraute Person kann trotzdem wohltuend sein, wenn sie keine Schmerzen auslöst und nicht direkt auf der Wirbelsäule drückt. Wer allein massieren möchte, greift zu einer Bürste oder einem Gerät. Bei der Bürstenmassage streichen Sie mit einer weichen Bürste in langen Zügen über die Haut.
Ein Rückenmassagegerät ersetzt keine Therapie. Die Heilmittel-Richtlinie ordnet die Massage mittels Gerät ausdrücklich der persönlichen Lebensführung zu, sie ist also Wellness und kein verordnungsfähiges Heilmittel. Bei Hautverletzungen, Entzündungen, Fieber oder unklaren Schmerzen verzichten Sie besser auf jede Massage und lassen die Beschwerden zuerst ärztlich ansehen.
Wann Rückenschmerzen ein Notfall sind
Gerade weil Organschmerzen in den Rücken ausstrahlen können, sollten Sie bestimmte Warnzeichen kennen. Halten Schmerzen in der Brust länger als fünf Minuten an und ziehen sie in Arm, Rücken, Hals, Kiefer oder Oberbauch, kann ein Herzinfarkt dahinterstecken. Kommen Luftnot, Übelkeit, kalter Schweiß oder Angst hinzu, gilt das umso mehr. Laut dem Gesundheitsportal des Bundesgesundheitsministeriums zum Herzinfarkt sollten Betroffene dann sofort den Notruf 112 wählen und nicht bis zum nächsten Morgen warten. Bei Frauen können Luftnot, Übelkeit und Erbrechen die einzigen Anzeichen sein.
Plötzliche, sehr starke Schmerzen in der Seite oder kolikartige Schmerzen im Oberbauch, die in den Rücken ziehen, gehören ebenfalls ärztlich abgeklärt. Eine Massage ist in solchen Situationen keine Hilfe.
Fazit: Reflexzonen am Rücken richtig einordnen
Reflexzonen am Rücken beruhen auf einem anatomischen Zusammenhang, denn Haut, Muskeln und Organe teilen sich die Nervenversorgung aus demselben Segment. Ärztinnen und Ärzte nutzen diese Zonen, um Schmerzen zu deuten. Segment- und Bindegewebsmassage sind anerkannte Heilmittel der Physiotherapie, eine Heilung innerer Organe versprechen sie nicht. Neue oder starke Schmerzen im Rücken sollten Sie deshalb zuerst abklären lassen und erst danach entscheiden, ob eine Massage für Sie sinnvoll ist.
