Französische Massage: ein Missverständnis

Wer nach französischer Massage sucht, erwartet oft eine Wellness-Behandlung aus Frankreich, so wie bei der schwedischen Massage oder der Thai-Massage. Das ist ein Missverständnis: Eine eigene Massagetechnik unter diesem Namen gibt es nicht. Umgangssprachlich meint französische Massage Oralverkehr, also die Stimulation der Geschlechtsorgane mit Mund, Lippen und Zunge.

Woher das Missverständnis kommt

Viele Massagearten tragen den Namen ihres Herkunftslandes oder ihrer Region. Es liegt also nahe, hinter der französischen Massage eine ähnliche Grifftechnik zu vermuten. Der Begriff stammt aber aus der Umgangssprache. „Französisch“ ist im Deutschen seit Langem eine verhüllende Umschreibung für Oralverkehr, besonders in Kontaktanzeigen und im Erotikbereich. Wer also eine Massage im Wellness-Sinn bucht, sollte nicht nach „Französisch“ fragen, sondern die gewünschte Technik beim Namen nennen.

Was die französische Massage bezeichnet

Je nachdem, wer verwöhnt wird, gibt es zwei Fachbegriffe. Bei der Frau heißt Oralverkehr Cunnilingus, beim Mann Fellatio. Beide Formen können abwechselnd oder gleichzeitig stattfinden. Häufig gehört die Französische Massage zum Vorspiel, sie kann aber auch für sich allein stehen.

Mit einer klassischen Massage hat der Begriff also nichts zu tun. Wer eine sinnliche Berührung mit den Händen sucht, findet eher bei einer Tantramassage oder einer intimen Massage das Passende.

Vertrauen und klare Absprachen

Oralverkehr ist eine sehr nahe Form der Intimität. Deshalb setzt er gegenseitiges Vertrauen voraus. Sprechen Sie vorher offen darüber, was beide möchten und was nicht. Ein Nein gilt jederzeit, auch mittendrin. Das gilt ebenso für Wünsche nach Schutz, etwa mit Kondom oder Lecktuch.

Hilfreich ist zudem Rückmeldung während des Akts. Druck, Tempo und Berührung empfindet jeder Mensch anders. Kurze Hinweise helfen dem Gegenüber mehr als stilles Raten.

Infektionsschutz bei der französischen Massage

Viele unterschätzen, dass auch Oralverkehr sexuell übertragbare Infektionen weitergeben kann. Laut dem Portal LIEBESLEBEN des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit ist das Risiko meist gering. Für Herpes und Hepatitis A gehört Oralverkehr allerdings zu den häufigsten Übertragungswegen.

Schutz bieten zwei einfache Hilfsmittel:

  • Kondom: Es verhindert beim Mann den direkten Kontakt mit Körperflüssigkeiten.
  • Lecktuch: Das dünne Tuch aus Latex oder latexfreiem Material liegt bei der Frau auf der Vulva oder am Anus.

Fehlt ein Lecktuch, lässt sich ein Kondom umfunktionieren. Dafür schneiden Sie die Spitze ab und das Kondom der Länge nach auf. Frischhaltefolie ist dagegen kein verlässlicher Ersatz.

Ein Lecktuch lässt sich mit etwas Gleitmittel auf der Innenseite angenehmer anwenden. Achten Sie darauf, dass immer dieselbe Seite zum Körper zeigt. Nach dem Gebrauch kommt es in den Müll.

Hygiene und Gesundheit

Gründliche Körperpflege vorher ist selbstverständlich. Zähneputzen oder Zahnseide direkt davor sind dagegen ungünstig, weil kleine Verletzungen am Zahnfleisch Erregern den Weg erleichtern können. Verzichten Sie auf die französische Massage bei offenen Stellen im Mund, frischen Lippenbläschen oder Beschwerden im Genitalbereich. Gegen einige Erreger wie Hepatitis A und B sowie HPV gibt es Impfungen. Ob diese für Sie sinnvoll sind, klärt eine Ärztin oder ein Arzt. Bei Brennen, Ausfluss oder Hautveränderungen nach dem Sex sollten Sie sich zeitnah untersuchen lassen.